Qualität der Dienstleistung im Pflegeheim?

Seit über 20 Jahren bin ich in der Hilfsmittelbranche tätig. Die Erlebnisse könnten ein Buch füllen. Manchmal lustig, manchmal ernst. Heute geht es mir um ein ernstes Thema.  Die folgende Geschichte stammt aus meiner Zeit um  das Jahr 2000 als Hilfsmittelberater für die Betriebskrankenkassen im Raum Hamburg. Die Namen wurden geändert und eine Ähnlichkeit mit lebenden oder verstorbenen Personen ist reiner Zufall.

Der Auftrag kam kurzfristig rein, dringende Versorgung im Rahmen einer Krankenhausentlassung, wie immer Freitag kurz vor Torschluss. Glücklicherweise lag ein ausführlicher Anamesebogen bei. Der Patient kam als mit einem Dekubitus zweiten Grades aus der Klinik. Im Kassenlager der BKK´n waren ausreichend Systeme vorrätig. Ich machte also einen Termin mit Schwester Gabi um die Versorgung durchzuführen. Ich war trotz Elbtunnelstau pünktlich in der Pflegeeinrichtung auch die Patientin war schon da. Wer nicht da war, war Schwester Gabi. Sie musste kurzfristig weg, das Kind war krank geworden. Auch ansonsten war die Station unterbesetzt. Der Patientenruf klingelte ununterbrochen, das Telefon gab nicht auf und im Hintergrund schrie ständige ein Bewohnerin: „Schwester, Schwester…“. Kein Wunder das die Schwester leicht genervt war. Ich war es schon nach zwei Minuten.  So war es verständlich, die verbliebene Schwester nicht begeistert, dass ich jetzt noch mit Ihr gemeinsam die Antidekubitusmatrazte unter die Patientin legen wollte.  Sie hatte schlichtweg keine Zeit. Da sie sagte, dass sie sich auskenne und versprach bei Schichtwechsel die Wechseldruckmatratze aufzubauen, verließ ich den Ort des Geschehens.

Ein paar Tage später hatte ich die Beschwerde auf dem Tisch. Der Dekubitus war schlimmer geworden. Die Matratze wäre zu hart. Eine erneute Begutachtung vor Ort ergab: Die Matratze wurde falsch ins Bett gelegt. Nicht die Druck entlastenden Luftzellen zeigten zum Patienten, sondern die harte Unterseite. Kein Wunder, das sich der Therapieeffekte nicht einstellte.

Das berichte ich nicht, weil ich das Pflegepersonal für unfähig halte oder kritisieren will. Dieser Fall steht symptomatisch für die Problematik, bis in die heutige Zeit. Der Sanitätsfachhandel ist angehalten mit fachlich geschultem Personal  Hilfsmittel auszuliefern, einzustellen und zu erklären.  Viele Bestimmungen, Gesetze, etc. sind zu beachten. Im privaten Haushalt ist das meistens auch kein Problem. Doch sobald es sich um die Lieferung in ein Heim handelt  wird es kompliziert.  Trotz Terminabsprache kommen die Sanitätshäuser oft zur falschen Zeit.  Es ist dem Personal vor Ort kein Vorwurf zu machen, das sie keine Zeit haben sich das Hilfsmittel genau erklären zu lassen oder um zu prüfen, ob alles richtig angepasst oder eingestellt wurde.  Die Folge sind mitunter Fehlversorgungen, die teilweise erst später oder gar nicht bemerkt werden.

Gerade im Rollstuhlbereich sehe ich bei meinen Besuchen in Pflegeheimen sehe ich die Folgen einer falschen Rollstuhlanpassung und die damit verbunden Behinderung der Mobilität.  Schuldzuweisungen helfen hier nicht, weder in Richtung des Sanitätshauses, noch des Pflegepersonals, denen es in manchen Bereich auch an Fachwissen im Bereich Hilfsmittel fehlt.

Wie könnte denn nun eine Lösung aussehen, die in erster Linie dazu dient die Qualität der Leistung und Hilfsmittelversorgung aussehen?  Die Antwort ist eigentlich einfach. In jeder Pflegeinrichtung sollte es einen Hilfsmittelbeauftragten geben. Eine Person, ein Mitarbeiter, der fachlich geschult ist. Ein fester Ansprechpartner, mit dem man verbindlichen Termin abstimmen kann und der in der Lage ist die Qualität der Hilfsmittelversorgung zu beurteilen.

Ich bin der festen Überzeugung, dass bei vielen schon ein gewisses Grundwissen vorhanden ist. Wenn sogar noch Fachpersonal mit therapeutischem Hintergrund vor Ort ist, wird die Angelegenheit noch einfacher. Wer sollte nun die Qualifizierung vor Ort vornehmen? Nun, ich denke das Fachpersonal gibt sein Wissen gern an die Pflegeeinrichtungen weiter. Auch über eventuelle anfallende Kosten wird man sich scher einig und ein Termin zur Schulung lässt sich sicherlich leicht finden. Ein sinnvolle und notwendige Maßnahmen, die nicht nur den Patienten zu Gute komm, sondern auch das Pflegepersonal entlastet und dem Leistungserbringer entgegenkommt.

Fragen hierzu können Sie mir gerne unter Nutzung des Kontaktformulars hier stellen.

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